Fear and Loathing von London bis L.A.

Ich werde nun im Speziellen für alle meine tugendreichen, anständigen, streng religiösen sowie sittenstrengen Mitmenschen den Film „Männertrip“ näher erläutern. Er behandelt thematisch alles was Kleinkinder, diplomierte Akademiker und in die Jahre gekommene Hausfrauen sowie unsere Großmütter nicht sehen sollten nämlich den Sex, Drugs & Rock’n’Roll- Alltag der internationalen Musikbranche, so wie wir ihn uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorgestellt haben. Der Streifen huldigt eine sehr obszöne Sprachwahl, pubertäres Sexualverhalten sowie infantile zwischenmenschliche Zusammenstöße, unterhält also köstlich auf nahezu unterstem Niveau.

Der charismatische Hauptdarsteller Russell Brand lässt es als Frontmann Aldous Snow der Rockband Infant Sorrow im Film von Anfang bis Ende so richtig krachen und die sehr analfixierte Bad Taste-Szenerie ist wirklich nichts für prüde Gesellen.

Russell Brand ist ein sehr bekannter englischer Komiker, Schauspieler, Kolumnist, Autor, Fernseh- sowie Radiomoderator und seit 2009 verlobt mit der US-amerikanischen Sängerin Katy Perry, welche er bei den Dreharbeiten zu „Männertrip“ kennengelernt hat. Die ausschweifenden Drogenexzesse die er im Film als sein Alter Ego Aldous sehr glaubwürdig auslebt, kennt der Darsteller Brand aus dem wahren Leben nur zu genau. Der Schauspieler leidet unter einer bipolaren Störung, einer psychischen Affektstörung, die sich durch episodische, nicht kontrollierbare und extreme Auslenkungen des Antriebs, der Aktivität und der Stimmung äußert. Er hat früher an Bulimie und anderen Selbstbeschädigungen gelitten,  konsumierte Heroin, war sexsüchtig und Alkoholiker. Er hat zahlreiche Einträge in seiner Polizeiakte da er elf Mal verhaftet wurde. Während seiner Drogenphase war er für seine Ausschweifungen bekannt. Seinen Drogen- sowie Alkoholentzug startete er auf Anraten seines Agenten in 2002 nachdem Brand bei einer Heroineinnahme in einem Badezimmer während seiner Weihnachtsfeier von der Polizei verhaftet wurde. Er passt durch seine ausgeprägte Persönlichkeit und verrückte Selbstdarstellung perfekt in die Rolle des Sex- und Drogenexperten Aldous Snow. An seiner Seite wirken andere Charaktere unabhängig von der Qualität Ihrer Darstellung ein wenig blass. Allen voran der bodenständige Plattenlabel-Angestellte Aaron, gespielt von Jonah Hill, der den Rockstar Aldous in London abholen soll, um ihn erst nach New York für einen Promoauftritt bei der „Today Show“ und anschließend nach Los Angeles zum Konzert im berühmten „Greek Theater“ begleiten soll (Originaltitel: „Get him to the Greek“). Statt pünktlich zum Flughafen zu fahren schleift Aldous den hilflosen Aaron von einer Party zur nächsten, lässt ihn jede Menge Hochprozentiges sowie Verbotenes konsumieren und von einem wilden Groupie auf einer Toilette beglücken.

Eine weitere Überraschung sind Metallica-Drummer Lars Ulrich, welcher sich selbst spielt, und Rapper sowie Produzent Sean „P. Diddy“ Combs der zwar grandios eine Figur verkörpert jedoch trotzdem so wirkt als würde er sich selbst spielen.

Wer bereits den Film „Hangover“ mochte oder sich für eine Unterrichtseinheit in „Mindfuck“- Strategie und anderer frivoler Themen nicht zu schade ist sollte sich dieses wirklich schmutzige Schmuckstück auf keinen Fall entgehen lassen.

Beiträge, die 'Fear and Loathing von London bis L.A.' ähneln:
Meinungen zu 'Fear and Loathing von London bis L.A.':

Film gesehen? Kritik, Meinung? Hinterlasse einen Kommentar zu “Fear and Loathing von London bis L.A.”