Das Monster der Moderne

Der Kanadier Vincenzo Natali seines Zeichens Autor und Regisseur hat ein neues Monster erschaffen, genau genommen hat er seine Filmografie nun durch ein neues krankes Schreckensschauspiel namens „Splice“ erweitert. Indem er auf alt bekannte Ängste der menschlichen Rasse zurückgreift um sich einem umstrittenen, politischen und in erster Linie ethnischen Thema zu widmen, schafft er einen moralisch untersetzten, verhältnismäßig klassischen Gruselfilm. Sein neues Werk beruht auf dem im Jahre 1818 veröffentlichten Roman „Frankenstein“ verfasst von Mary Shelley und tritt nun als Science-Fiction-Horror-Szenario dessen zeitgemäßes Erbe an. Natali übersetzt die alte Geschichte des Dr. Frankenstein und dessen aus dem Nichts erschaffenen furchteinflößenden Monster ins moderne Zeitalter, schmückt sie visuell mittels neuer Rahmenbedingungen und ausgezeichneter Schauspieler, nämlich Adrien Brody und Sarah Polley, um sie dem Publikum erneut schmackhaft zu machen. Was zu Frankensteins damaligen Erscheinungstermin im 19. Jahrhundert den Lesern höchstwahrscheinlich nur wie ein abgedrehter Science-Fiction-Roman erschien, wird gegenwärtig in Zeiten von fortschreitender genetischer Klontechnik und Genmanipulation zu einer beängstigend sehr zeitgetreuen Kritik an eben dieser wissenschaftlichen Entwicklung und verleiht diesem Streifen und der bereits mehrmals verfilmten Geschichte des Frankenstein mit der Erschaffung einer neuen, unbekannten Hybrid-Kreatur ein beeindruckendes Monster mit erschreckender Wirkung.

Der Roman Frankenstein sowie dessen moderne Übersetzung Splice stehen als Sinnbilder für eine wissenschaftlich unbegrenzte, menschliche Unvernunft die lebendige Materie erschafft und mittlerweile als fester Bestandteil im Forschungsalltag der Gegenwart Einzug gehalten hat. Um eine Brücke zwischen Frankenstein und Splice zu schlagen bediente sich der Drehbuchautor von Splice bei der Namensgebung der beiden Protagonisten Clive und Elsa der Namen der Schauspieler welche in den damaligen Verfilmungen von Mary Shelleys Roman Dr. Frankenstein (gespielt von Colin Clive) und dessen Braut (gespielt von Elsa Lanchester) verkörpert haben. Der Name der Forschungseinrichtung der beiden Wissenschaftler „Nucleic Exchange Research and Development“ wird hingegen wissenschaftssatirisch liebevoll nur mit N.E.R.D abgekürzt und dient als erster wichtiger Handlungsort, als Ausgangspunkt und Geburtsstätte des neuen Wesens, welches bestehend aus Genmaterial von Mensch und Tier den Namen Dren (Anagramm zu Nerd) trägt. Autor und Regisseur Vincenzo Natali wirft wie auch schon in seinem Kultfilm „Cube“ erneut einen psychoanalytischen Blick auf seine Protagonisten, in diesem Fall die Biowissenschaftlerin Elsa die Ihren unterdrückten Kinderwunsch in der Erschaffung einer neuen Kreatur auslebt. Sowohl die hochsensible Thematik als auch die komplexe Gestaltung der Figuren machen diesen Horrorfilm zu einem äußerst erschreckenden Kinoerlebnis.

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